ATELIERGEMEINSCHAFT IN GRÄFELFING

Seidel-Müller, Christine

Bildhauerei

Mobil: 0176 21771796

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Christine Seidel-Müller - freischaffende Künstlerin - lebt und arbeitet in Gräfelfing/München.
Nach einer Lehre bei dem akademischen Bildhauer P. Lutterkord, internationaler Bildhauerschule in Peccia/Schweiz sowie weiteren Sommerakademien leitet sie Kurse in ihrem Atelier. Zahlreiche Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen in und um München.

Bildhauerei und dreidimensionales Gestalten aus Leidenschaft, packend und immer anders, philosophisch, sinnlich, ständige Formveränderung fordernd. Menschliche Ursprache und Mythos, Kraft, Dialog und fortschreitendes Abenteuer...

Zur Zeit arbeitet sie Plastiken in Bronze und Skulpturen mit Alabaster aus Volterra und Galicien.


 


Arbeit und Werke in der kunstkritischen Betrachtung

Skulpturen machen, bedeutet Widerstand. In einer Zeit nach „Sculpture in the expanded field“, in der fast ausschließlich konzeptuell-installative, readymadehafte Assemblagen oder ortsspezifisch-architektonische Interventionen zu sehen sind, erscheinen CSMs Stein- und Bronzeskulpturen beinahe antizyklisch. Doch gerade in ihrer Autonomie zum zeitgemäßen Kontext, arbeitet sich die Bildhauerin auf den Kern von Objekthaftigkeit zurück, verleiht ihren Skulpturen in ihrer Formschönheit und ursprünglichen Einfachheit sinnlich geschwungener Linien eine Zeitlosigkeit und Universalität, die sich den wechselnden aktuellen Strömungen entzieht, um so Neues zu schaffen.

Die auf den ersten Blick so kompakten, in sich stimmigen Arbeiten brechen vielmals an ihrer harmonisch geschlossenen Oberfläche auf. Hier treten Stellen des unbearbeiteten Steins zum Vorschein, lassen das sehr bewusst ausgewählte Material sichtbar werden. Man könnte meinen, der Stein bewahrt sich bis zuletzt sein Eigenleben, welches CSM in ihren Arbeitsprozess miteinbezieht, wenn sie die Form im Stein sucht. Bei dieser ebenso intuitiv- empathischen, wie körperlich-kraftraubenden Arbeit treten spontan Maserungen, unerwartete Konsistenzen oder Unregelmäßigkeiten im Stein zum Vorschein. Oft haben diese überraschende Auswirkungen auf den weiteren Formfindungsprozess und heben bei der richtigen Beleuchtung die entwaffnende Schönheit des Materials hervor.

Die Künstlerin arbeitet vorwiegend mit Alabaster - wegen seiner Durchlässigkeit und Transparenz - sowie mit Mamor, der aufgrund seiner harten Textur besonders starken Widerstand leistet.

Teilweise kombiniert sie die Steine und Bronzen auch mit Fundstücken aus der Natur, die ihre künstlerischen Formen wiederaufnehmen, fortführen oder einen gelungenen Konterpart zu diesen bilden. CSMs Skulpturen verbindet eben jene Spannung zwischen subtil kontrastierenden Gegenspielern, zwei Teilen oder Elementen, die ein Gleichgewicht eingehen, sich ergänzen ohne vollends gebändigt zu werden oder ineinander aufzugehen.

Diese werk- und wesensimmanente Zweiteilung bekommt hier eine allgemeinere Bedeutung, indem sich selbige als Reibung sowohl innerhalb eines Individuums, zwischen Liebenden oder in gesellschaftlichen Gruppen erfahren und wahrnehmen lässt. In ihren Skulpturen und
ihrer im künstlerischen Prozess stattfindenden Konfrontation mit dem Widerstand schafft CSM ein Bild der Sehnsucht nach Harmonisierung eben jener komplementären, sich widerstreitenden Teile eines Ganzen.

Die neue Arbeit „o.T. (Trinität)“ von CMS entsteht durch eine in Aluminium gegossene Steinskulptur. In ihrer minimalistischen Ästhetik an ein individuelles Designstück erinnernd, wandert das Zentrum des Interesses nun an die Oberfläche, welche Werk, Betrachter und umgebenden Raum verbindet. Das tatsächliche Objektvolumen tritt dabei in den Hintergrund, der Aluminiumkörper nimmt stattdessen seine Umwelt bzw. die einmalige, konkrete Präsentationssituation durch Spiegelung in sich auf. Die Übergänge von Innen und Außen werden fließend.

Das glatte, gleichmäßige Material lässt die essentielle Form klar hervortreten. Dennoch bleiben einige handwerkliche Arbeitsspuren, wenngleich überzogen vom anonymisierenden Aluminium, fortbestehen. Die mit dem Entstehungsprozess verbundene Zeit erscheint so in ihrer glänzenden Hülle eingefroren. Eine Verlebendigung entsteht erst mit der Reflexion des Betrachters und seiner Umgebung in der Oberfläche.

Julia Müller

 

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